Blick hinter die Kulissen unserer Nistkastenkamera

Wir beantworten Fragen zur Technik und Co.

 

Wir erhalten mittlerweile regelmäßig Fragen zur Technik unserer Nistkastenkamera und möchten daher unsere Erfahrungen mit euch teilen.

 

Idee und Inspiration

Mit unserem Livestream aus dem Kameranistkasten möchten wir einen Einblick in das sonst verborgene Geschehen im Inneren einer Bruthöhle ermöglichen und damit Natur erlebbar machen. Vor der jetzigen Lösung setzte der NABU Mauer bereits einen kommerziellen Nistkasten mit Kamera ein, dessen Bild während der Brutsaison über eine kabelgebundene Verbindung in der Grundschule verfolgt werden konnte.  Als dieser Nistkasten wegen einer Baumfällung abgehängt werden musste, entstand die Idee, einen eigenen Kameranistkasten zu bauen. Dieses Mal mit Livestreamfunktion, sodass das Brutgeschehen auch von zu Hause aus verfolgt werden kann.

 

Der Bau wurden durch den Artikel  "Liveübertragung aus dem Nest: So kommt die Kamera in den Vogelbau" aus dem Spiegel inspiriert. Dieser Beitrag hat unseren Erbauer, Martin Budig, dazu angeregt, eine eigene Lösung zu realisieren. Seit 2021 ist der selbst gebaute Kameranistkasten nun im Schulhof der Norbert-Preiß-Schule in Mauer im Einsatz.

 

Aufbau unseres Kameranistkastens

Verwendete Kamera

Unser Ziel ist es, das Nest einer Blaumeise zu filmen. Da der Nistkasten entsprechend klein ist, muss auch die Kamera klein und der Fokus im Nahbereich einstellbar sein.
Aktuell setzen wir die "HiKam S6 HD Überwachungskamera für Innen" ein. Diese Kamera bietet folgende Vorteile:
  • Kompaktes Design: Sie ist klein genug, um in einem Meisenkasten eingebaut zu werden.
  • Ausreichende Videoqualität: Sorgt für Aufnahmen, sowohl im Farb-Tagmodus als auch im S/W-Nachtmodus dank nicht sichtbarer Infrarot-LEDs.
  • Einstellbarer Fokus: Der Fokus lässt sich bei Bedarf manuell anpassen.
Hinweis: Mittlerweile beitet der Hersteller ein spezielles Modell für Nistkästen an (4K/2K Mini WLAN-Kamera MW5 für Nistkästen von Hikam). Mit diesem Modell haben wir bisher keine Erfahrung.

 

Kamerasignal einlesen und weiterverarbeiten

Unsere Kamera ist eine IP-Kamera. Das bedeutet, dass das Videosignal direkt digitalisiert und über WLAN in das Netzwerk gesendet wird. Mit unserer jetzigen Erfahrung würden wir wahrscheinlich eine Kabelverbindung vorziehen, da WLAN ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt. Aber diese Kamera hat nur WLAN.

 

Das Kamerasignal kann über das RTSP (Real-Time Streaming Protocol) eingelesen werden, beispielsweise mit dem VLC-Mediaplayer. Dazu muss man im selben Netzwerk einen Link wie diesen  "rtsp://(IP-Adresse der Kamera):554/stream=0" im Videoplayer starten. Der exakte Linkaufbau muss in der Bedienungsanleitung der jeweilige Kamera stehen. Wichtig für das Streamen ist, dass die Kamera ein „offenes“ RTSP-Signal bereitstellt. Ist dies nicht der Fall, ist das Videomaterial oft nur über die proprietäre App des Herstellers abrufbar, was das Streamen erheblich erschwert.

 

Da der interne Webserver der Kamera vermutlich nicht für mehrere gleichzeitige Videoabfragen geeiget ist, haben wir zusätzlich einen Raspberry Pi im selben Netzwerk in Betrieb. Auf diesem Raspi läuft die Software "Restreamer", die das Videosignal per RTSP von einer Quelle (Kamera) einliest und an eine Streaming-Plattform weiterleitet. Weitere Informationen zum Setup von Restreamer findet man auf https://datarhei.github.io/restreamer/.

Von der Nistkastenkamera zum Livestream (Infografik: H. Budig)
Von der Nistkastenkamera zum Livestream (Infografik: H. Budig)

Öffentlicher Livestream

Für den öffentlichen Stream haben wir uns für YouTube entschieden – eine kostenfreie Lösung, bei der sich mit etwas Anleitung aus dem Internet ein Livestream-Account einrichten lässt. Den Livestream betten wir zum einen auf unserer Webseite ein und zum anderen kann er über einen zweiten Raspberry Pi mit angeschlossenem Monitor in der Schulaula angeschaut werden.

 

Herausforderungen und Fazit

Obwohl das System im Großen und Ganzen funktioniert, tritt ein wiederkehrendes Problem auf: Der Stream auf YouTube bricht gelegetlich ab (manchmal schon nach wenigen Tagen) und muss dann manuell neu gestartet werden. Wir vermuten, dass die WLAN-Verbindung zur Kamera hierfür verantwortlich sein könnte. Über Optimierungsvorschläge oder eigene Erfahrungen freuen wir uns daher sehr.

 

Fragen?

Bei Fragen oder zum Erfahrungsaustausch bitte an webcam@nabu-mauer.de schreiben. Wir bemühen uns zeitnah zu antworten.